Architektur-Export

Karoline Prien Kjeldsen

Ganz oben. Die nordischen Länder (Ausgabe I/2008)


Dänemark hat im Sommer eine offizielle Architekturpolitik verkündet, die zehn Ziele festlegt. Eines betrifft etwa die Architektenausbildung, die künftig zu den besten weltweit gehören soll. Außerdem sollen öffentliche Gebäude eine bessere architektonische Qualität bekommenn. Was bezweckt die Regierung damit? 
 Wir glauben, dass die Zukunft der dänischen Wirtschaft in der „oplevelsesøkonomi“, der Erlebniswirtschaft, liegt. Architektur gehört dazu. Es geht nicht um das klassische produzierende Gewerbe, sondern um kreative Dienstleistungen. Deshalb soll unsere Ausbildung konkurrenzfähig sein. Dänemark ist in diesem Feld bereits sehr gut positioniert. Eine entsprechende Politik publik zu machen, unterstreicht, wie wichtig uns dieses Feld ist und wie gut wir dastehen. Die Architekturpolitik soll nicht nur helfen, Architektur in Dänemark einen noch besseren Stellenwert zu verschaffen – was auch Lebensqualität ist –, sondern auch, Dänemark als kreative Nation zu „branden“. 
 
Auch die Niederlande haben eine Architekturpolitik. Hat Dänemark diese nur kopiert?
 Natürlich hat das Konzept der Niederlande eine Rolle gespielt. Wir waren dort auf Studienbesuch. Aber anders als in den Niederlanden, wo anfangs nur zwei, drei Ministerien involviert waren und dann mehr hinzukamen, sind wir gleich größer gestartet. 
 
Für die Architekturpolitik sind Vorschläge aus den Ministerien für Kultur, Wirtschaft, Äußeres, Soziales, Umwelt, Transport und weiteren staatlichen Einrichtungen eingeflossen. Inwieweit geht es darum, bereits vorhandene Vorgaben zusammenzutragen? Und was ist wirklich neu?
 Einige Inhalte waren schon vorhanden. So wurde bereits darauf hingearbeitet, die Ausbildungen in Dänemark international vergleichbar zu evaluieren. Aber vieles im Bereich Architektur wurde von mehreren Ministerien unabhängig voneinander erarbeitet. Das Kultusministerium mag für die Architektur die größte Rolle spielen, aber als Wirtschaftsfaktor beispielsweise ist sie auch in anderen Ministerien bedeutend. Dass die Ministerien hier eine gemeinsame Politik entwickeln, soll unterstreichen, dass Architektur weder nur kulturelle Bedeutung hat noch nur wirtschaftliche. 
 
Wie soll die Qualität der Architektur neu definiert werden?
 Das ist in der Tat schwierig, denn es handelt sich um einen stark subjektiv geprägten Begriff. Am wichtigsten ist wohl, ein Bewusstsein für architektonische Qualität zu schaffen. Die Regierung macht keine Vorgaben, welche Bauwerke realisiert werden dürfen und welche nicht. Was öffentliche Bauten angeht – von Krankenhäusern bis zu Schulen –, sind meist die Kommunen die Bauherren, und der Staat hat keinen Einfluss auf die Architektur der Gebäude und soll es auch gar nicht haben. Mit der Architekturpolitik wollen wir aber zeigen, dass gute Architektur wichtig ist und die Gebäude nicht nur ihren eigentlichen Zweck erfüllen sollen. Letztlich liegt es aber in der Hand der Kommunen, dies zu realisieren. 
 
Dänische Architekten sind international erfolgreich. Jorn Utzon hat die Oper in Sydney gebaut, Henning Larsen den Wettbewerb um den Neubau des Spiegel-Büros in Hamburg gewonnen. Brauchen Dänemarks Architekten wirklich politische Unterstützung? 
 Dass die dänischen Architekten international so erfolgreich sind, ist ganz klar ihr eigener Verdienst und nicht das unseres Ministeriums. Mit unserer Politik unterstützen wir diese Entwicklung und sorgen für noch mehr Aufmerksamkeit. So haben sich Vertreter der baltischen Staaten und aus China sehr an unserer Architekturpolitik interessiert gezeigt. Sie haben gemerkt, wie wichtig Architektur bei uns auf politischer Ebene genommen wird.
 
Eine Politik ergibt nur dann Sinn, wenn sie auch erfolgreich ist. Wie wollen Sie die Erfolge der Architekturpolitik kontrollieren? 
 Wir werden uns ansehen, ob die Ziele erreicht werden. Dabei ist klar, dass Erfolg nicht immer deutlich messbar ist. Wir haben auch nicht festgelegt, innerhalb welcher Zeit welche Ziele erreicht werden müssen. Die Architekturpolitik ist eine langfristige Vorgabe, an der wir uns orientieren, und nicht ein Ziel, das erreicht und dann abgehakt wird. 
 

Das Interview führte Clemens Bomsdorf von weltreporter.net



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