Gut geweint ist halb gewonnen

von Ron Needs

Frauen, wie geht's? (Ausgabe IV/2007)


Es ist wichtig, mit den Gemeinsamkeiten zwischen Frauen- und Männermannschaften anzufangen. Wenn man sich den Wettkampf auf Weltniveau anssieht, findet man bei jedem Ruderer dieselbe Entschlossenheit, denselben Mut, dieselbe kontrollierte Stärke und den Willen zum Sieg. Spitzensportler wissen, dass das der einzige Weg zum Erfolg ist und sowohl Frauen als auch Männer geben im Rennen alles. Die Begeisterung ist stärker als die Erschöpfung.

Was das Alltagstraining angeht, gibt es allerdings Unterschiede. Zunächst einmal sind Frauen besser organisiert. Die meisten Ruderer gehen neben dem Sport ja noch anderen Beschäftigungen nach, und Frauen gelingt es einfach besser, komplizierte Tagesabläufe zu koordinieren. Beispielsweise bringen sie sich ihre Verpflegung zum Training mit, während sich die Herren unterwegs einfach irgendetwas holen.

Dafür reagieren Frauen empfindlicher auf Kritik. Sie nehmen sich kritische Worte mehr zu Herzen und grübeln länger darüber nach. Wenn du eine Frau kritisierst, ist es wichtig, erst einmal all die Dinge zu nennen, die sie richtig macht, um dann irgendwann zu dem eigentlichen Problem zu kommen.

Es ist allgemein bekannt, dass Frauen eher weinen als Männer. Beim Rudern weinen sie aus Frustration, Enttäuschung, Zorn, weil man sie korrigiert hat oder auch aufgrund von Erfolg. Diese Gefühlsausbrüche spiegeln aber nicht nur ihre Empfindsamkeit wider, sondern auch ihre Hingabe und häufig das Gefühl, besser sein zu müssen, um gewinnen zu können. Den Wert der Tränen erkennt man nicht selten in der Leistung, die danach kommt.

Auch hinsichtlich der Gesundheit gibt es Unterschiede. Während der Hochphasen im Training haben die meisten Ruderer ein geschwächtes Immunsystem und müssen sehr achtsam sein. Da neigen die Damen eher dazu, eine Erkrankung zu ignorieren oder so zu tun, als sei alles in Ordnung. Es hört sich komisch an, aber ich glaube, dass Frauen hier einfach stoischer sind. Deshalb muss ein Trainer seine Athleten ganz genau kennen, um zu wissen, ob sie zu krank sind oder zum Arzt müssen. Frauen sind schwerer zu entziffern.

Ich glaube, bei Damenmannschaften ist der Teamgeist stärker und damit das Gefühl, die anderen zu enttäuschen, wenn man ausfällt. Das merkt man auch, wenn sich Damenmannschaften nach Jahren oder Jahrzehnten wieder-treffen. Die enge Verbindung ist sofort wieder da. Männer zeigen ihre Gefühle eher weniger.

Dann gibt es das Problem mit Freunden. Die meisten Ruderinnen haben einfach wenig Zeit für eine Beziehung. Sie schlafen, essen, trainieren, essen, trainieren und schlafen wieder. Und falls dann noch etwas Kraft bleibt, treffen sie sich mit Freunden. Die meisten Männer – es sei denn, sie sind selbst Ruderer – haben bald davon genug und verlangen mehr. Ernsthafte Beziehungen sind ein ernsthaftes Problem, denn wenn sie auseinandergehen, sind Frauen schnell am Boden zerstört und können ihre Leistung nicht mehr erbringen.

Bis in die 1980er Jahre war das Damentraining in Großbritannien sehr schlecht. Ich habe das als Herausforderung empfunden und mich daher entschieden, es auszuprobieren. Den ersten Sieg der Damen im Leichtgewicht hatten wir bei der Olympiade 1988, und 1997 kam dann auch der Wendepunkt für die offene Gewichtsklasse. Bei der Weltmeisterschaft holten wir Gold und Bronze.

Insgesamt habe ich lieber Frauen trainiert. Man muss mit ihnen zwar etwas vorsichtiger umgehen, aber dafür ist der Erfolg umso schöner.

Protokolliert von Naomi Buck
Aus dem Englischen von Niels Haase



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