Was die Farbe Türkis in Tibet bedeutet

Nicole Graaf

Was vom Krieg übrig bleibt (Ausgabe I/2007)


Die Tibeter lieben Farben. Das zeigt sich nicht nur in der Ausstattung ihrer Tempel, sondern auch an ihrer Kleidung. Einer der beliebtesten Schmucksteine ist der Türkis, der an Ketten, im Haar oder als Verzierung an Messern getragen wird. Da das Prinzip der Balance in Tibet wie in vielen Teilen Asiens sehr wichtig ist, wird der Türkis meist mit tiefroten Korallen kombiniert. Besonders wertvoll sind die ganz tief türkisblauen Steine. Laut einem volksreligiösen Glauben verblasst ein Türkis, wenn sein Träger krank wird oder bald stirbt, erhält seine ursprüngliche Farbe jedoch zurück, wenn er auf einen neuen Besitzer übergeht. Auch wird der Stein in der tibetischen Medizin als Heilmittel verwendet. Seine Farbe lässt auf seine Wirkung schließen. Er besitzt die Eigenschaft „kühl“ und ist daher Bestandteil von Arzneien gegen „heiße“ Krankheiten wie Leberbeschwerden.
Türkis ist auch eine der wenigen Farben, die einen Kontrast zum Graubraun des kargen tibetischen Hochplateaus bilden. Dort gibt es zahlreiche Hochgebirgsseen, in denen sich bei gutem Wetter der Himmel türkisblau spiegelt. Einige Seen, die innerhalb der Glaubenswelt der Tibeter eine besondere Rolle spielen, tragen den Beinamen „yumtso“ (Türkissee). Dieser Zusatz bezieht sich aber nicht nur auf ihre Farbe. Damit soll auch ausgedrückt werden, dass sie für die Religion so wertvoll und selten sind wie ein Türkisstein.



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