Das Democracy Monument in Bangkok

Ein Kommentar des Politikwissenschaftler Titipol Phakdeewanich aus Thailand:

„1932 wurde in Thailand die konstitutionelle Monarchie etabliert und mit ihr auch die Demokratie. In diesem Geiste wurde das Democracy Monument in Bangkok 1939 in Auftrag gegeben. Thailand war aber nie eine wirkliche Demokratie. Das Land steht seither unter dem Einfluss des Militärs. Im Juni 2020 brachen Proteste in Bangkok und an anderen Orten in Thailand aus. Die Demonstrationen richteten sich gegen den Staatsstreich, den das Militär 2014 durchzog und gegen die falsche, aufgezwungene Demokratie hierzulande. Schon lange sind die Menschen unzufrieden, sie wenden sich gegen eine kleine Elite, die die Machtstrukturen kontrolliert.  

Studierende haben diese Proteste losgetreten. Sie konnten sogar noch jüngere Menschen mobilisieren, Schülerinnen und Schüler. Eine alte Generation kontrolliert das Land und diese jungen Leute wollen, dass sich das ändert. 

Da das Militär viele öffentliche Plätze blockierte, demonstrierten die Studierenden unter Anderem am Democracy Monument. Sie haben sich die Taktiken der Proteste in Hongkong abgeschaut, sie zogen von Ort zu Ort, bis sie am Monument ausharrten. 2014 wurden die Proteste der Bevölkerung insbesondere auf einer großen Kreuzung namens Ratchaprasong niedergeschlagen, auch diesen Ort konnten die Studierenden kurzzeitig besetzen, bevor die Polizei ihn absperrte. 

Die Studierenden besetzen also Orte, die eine historische oder eine symbolische Bedeutung haben. Das Democracy Monument reflektiert in ihren Augen allerdings nicht den Wandel, für den es einst stehen sollte. Diese jungen Menschen haben das Gefühl, dass ihnen die Demokratie weggenommen wurde und sie fordern sie zurück. Selbst wenn das Monument für das Gegenteil dessen steht, woran sie glauben – diesen Ort zu besetzen war eine symbolische Geste, die Studierenden eröffneten somit anderen, die an den Protesten teilnehmen wollten, einen Weg, sich ihnen anzuschließen.“