Rhodes Statue - Oxford

An was sollten sich Gesellschaften erinnern? Und welche Denkmäler müssen fallen, damit der Weg in eine gerechtere Zukunft frei ist? Angesichts der aktuellen Debatte rund um Rassismus und Erinnerungskultur spricht KULTURAUSTAUSCH über diese Fragen ab sofort regelmäßig mit Expert*innen und Aktivist*innen in aller Welt. Den Anfang macht der indische Schriftsteller Amit Chaudhuri, der für die „Rhodes Must Fall“- Bewegung in Großbritannien aktiv ist. Diese begann 2015 als politische Bewegung in Kapstadt, wo sich Studierende für den Abriss der Statue des Geschäftsmanns und Kolonialpolitikers Cecil John Rhodes einsetzten. Auch an der britischen Oxford Universität steht heute noch eine Rhodes Statue.  

„Die Black-Lives-Matter-Bewegung und die Debatte über den Umsturz alter Denkmäler zeigen, dass unsere Gesellschaft an einer kritischen Schwelle angekommen ist – und dass die Zeit reif ist für einen Wandel. 

Ich glaube zwar nicht, dass wir anfangen müssen, jede Statue und jede Person anzuzweifeln und sie im Kontext unserer Vergangenheit und in Hinblick auf unser kulturelles Erbe zu hinterfragen. Aber jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um kritischer zu werden. Das Stürzen von Statuen darf dabei jedoch nicht zum Selbstzweck werden. Vielmehr sollte es darum gehen, wichtige Fragen zu stellen. 

Die Rhodes-Statue [Anm. d. Red.: in Erinnerung an Cecil John Rhodes, einen britischen Bergbau-Magnaten und Politiker, der von 1890 bis 1896 Premierminister der Kapkolonie war] am Oxford College steht mitten im Zentrum dieses Prozesses. Sie sollte jetzt fallen – aus Respekt vor den Menschen, die Veränderung brauchen. In einer gleichberichtigten Welt, in der Klasse, Hautfarbe und ethnische Zugehörigkeit keine Rolle spielen, wäre die Rhodes-Statue ohnehin längst völlig irrelevant. Aber so wie die Dinge stehen, ist entzünden sich an Rhodes hitzige Debatten. Indem wir die Statue abreißen, erkennen wir meiner Meinung nach an, dass die Welt, in der wir leben, auf Abwege geraten ist.

Als sich Anfang Juni eine wütende, aber friedliche Menschenmenge um die Rhodes-Statue in Oxford versammelte, war ich glücklich. Ich wäre auch dort gewesen, wenn ich an diesem Tag in der Stadt gewesen wäre. Erst vor kurzem habe ich mit Vertreterinnen und Vertretern der Rhodes-Must-Fall-Bewegung gesprochen. Ich sagte ihnen, dass dies erst der Anfang sei. Der Status quo beginnt zu wackeln. Wir müssen uns jetzt nicht nur vor Statuen in Acht nehmen, sondern vor allem vor einer Geisteshaltung, die in den letzten dreißig oder vierzig Jahren einen hohlen und eigennützigen gesellschaftlichen Ethos hervorgebracht hat.“