Marthinus Theunis Steyn Statue - Bloemfontein

An was sollten sich Gesellschaften erinnern? Und welche Denkmäler müssen fallen, damit der Weg in eine gerechtere Zukunft frei ist? Jede Woche holt KULTURAUSTAUSCH dazu eine Stimme aus dem Ausland ein. Heute ist es die südafrikanische Schriftstellerin Malaika Wa Azania.

„In Südafrika ist ein weiteres Symbol der Unterdrückung gefallen. Die Universität der Provinz Free State ließ endlich die Statue von Marthinus Theunis Steyn entfernen. Steyn war der sechste und letzte Präsident der Burenrepublik Oranje-Freistaat, einer unabhängigen Republik, die mitten im Herzen eines Südafrikas lag, in dem Schwarze Menschen über Jahrzehnte entmenschlicht wurden. 1902 wurde die Burenrepublik vom Britischen Empire annektiert. Eine passende geschichtliche Fügung, kamen so doch zwei gleichsam rassistisch gesinnte Kolonialmächte zusammen. Mit vereinten Kräften terrorisierten die Buren und die Briten die Schwarze Bevölkerung und befeuerten die Apartheid, deren Folgen in Südafrika in Form von struktureller Ungleichheit und Ungleichbehandlung bis heute spürbar sind.

Diejenigen, die sich zuletzt gegen die Entfernung der Steyn-Statue aussprachen, argumentierten, dass Steyn als Gründer der University of the Free State ein kritischer Teil der Geschichte gewesen sei. Dabei ignorierten sie jedoch, dass diese Geschichte mit Blut geschrieben wurde und auf der Enteignung der Schwarzen Bevölkerung Südafrikas beruhte. Steyn baute eine Universität auf, die bis heute vom Nationalismus der Buren und von „Rassentrennung“ geprägt ist. Seine aus Steuergeldern finanzierte Statue an einer öffentlichen Universität zu erhalten, bedeutete, die Schwarzen Bürgerinnen und Bürger des Landes, die in Südafrika die Mehrheit bilden, leiden zu lassen. Es war unvernünftig und grausam.

Meiner Meinung nach hat das Südafrika der Zukunft, das Südafrika, das wir aufbauen wollen, keinen Platz mehr für Denkmäler von Kolonialherren und Imperialisten. Unsere Kinder werden nicht mehr an Orten studieren, die eine Geschichte der Ausgrenzung und der Entmenschlichung feiern. Denkmäler schaffen Umgebungen, die das Bewusstsein formen. Deshalb wird und muss jede Statue, die Weiße über Schwarze Menschen stellt und letztere ausgrenzt, fallen.“