Denkmal - Srebrenica

Was sollten Gesellschaften von ihrer Vergangenheit erinnern? Welche Denkmäler müssen fallen, um Platz zu schaffen für eine gerechtere Zukunft? Jede Woche fragt KULTURAUSTAUSCH Expertinnen und Journalisten weltweit. Heute: Ćamil Duraković, der ehemalige Bürgermeister von Srebrenica.

„Im Juli 1995 ermordeten Serben tausende Bosniaken aus Srebrenica. Ich war 16 Jahre alt und bis heute verfolgt mich die Erinnerung an diese Tage. Ich war unter jenen Männern und Jungen, die durch die Wälder nach Tuzla flohen. Man kann sagen, dass ich nur zufällig überlebte. Viele meiner Verwandten schafften es nicht. Als Flüchtling wurde ich 1996 in die USA aufgenommen. Dort studierte ich und kehrte 2005 nach Srebrenica zurück. Ich wollte der Stadt und dem Land helfen, weiter auf die Beine zu kommen, auf dem Weg in die EU und in die NATO. Letztlich bin ich froh, wieder hier zu sein. Hier fühle ich mich daheim.

Neulich wurde hier ein neues Monument präsentiert. Bürgermeister Mladen Grujicic nennt es ein Monument des Friedens. Allerdings ist das etwas problematisch, denn eigentlich hat das nur eine ethnische Grupper hier entschieden, dass dieses Monument errichtet werden soll: die Serben. Die anderen ethnischen Gruppen wurden nicht nach ihrer Meinung gefragt und ich glaube, das Monument soll nur oberflächlich eine friedliche Stimmung suggerieren. 

Es wurde von internationalen Gerichten anerkannt, dass das, was hier vor 25 Jahren passierte, ein Völkermord war. Ein Massenmord gegen die Bosniaken. Wenn der serbische Bürgermeister jetzt von einem Friedensmonument spricht, ist das absurd, so, als wollten die Serben die Geschichte dieses Massenmordes relativieren. Diese Form des Geschichtsrevisionismus ist systemisch, auch auf der nationalen Ebene. In einer demokratischen Gesellschaft, die auch auf objektiven juristischen Urteilen beruht, sollten wir solche Entscheidungen doch respektieren. Leider verweigert sich die serbische Politik und ihre Institutionen dieser Einsicht schon seit 1995. 

Monumente sollten keine Lügen verfestigen, sie sollten uns helfen, historischer Wahrheiten zu Gedenken. Das neue Monument hier in Srebrenica vertieft meiner Meinung nach aber nur revisionistische Tendenzen in der offiziellen serbischen Geschichtserzählung. Das indoktriniert nachwachsende Generationen. Und das ist gefährlich.“