Alexander Andrejewitsch Baranow Statue - Sitka

Was sollten Gesellschaften von ihrer Vergangenheit erinnern? Welche Denkmäler müssen fallen, um Platz zu schaffen für eine gerechtere Zukunft? Jede Woche fragt KULTURAUSTAUSCH Expertinnen und Journalisten weltweit. Heute: der Historiker Hal Spackman.

Alexander Andrejewitsch Baranow war ein Kaufmann und Stellvertreter für die Russisch-Amerikanischen Gesellschaft in Sitka und Alaska. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert lebte er für 18 Jahre in Sitka, ihm wird die Gründung dieses Ortes zugeschrieben. 1989 schenkte die Hames Corporation, ein lokales Unternehmen, unserer Stadt seine Statue. Die Eigentümer empfanden den Kaufmann Baranow als geeignete Repräsentationsfigur: Er kurbelte den Handel hier an und er spiegelte die russische Geschichte in der Gegend wider. Seit ihrer Errichtung ist die Statue allerdings umstritten.

Das indigene Volk der Tlingit lebt seit Tausenden von Jahren in dieser Gegend, lange bevor die Europäer hierher kamen. Die Russen hingegen waren nur etwa 100 Jahre lang in Alaska. Ihre Nachfahren glauben heute, dass Baranow unseren Ort nicht angemessen repräsentiert, weil er für die Unterwerfung und Misshandlung ihrer Vorfahren steht. So zwang er zum Beispiel Jäger der Sugpiaq aus weit entfernten Dörfern, Seeotter für ihn zu jagen – gegen ihren Willen. Außerdem bekämpfte er die Tlingit, bombardierte ihr Fort und übernahm ihr Dorf, um die hiesigen Ressourcen zugunsten der Russisch-Amerikanischen Gesellschaft auszubeuten. 

Im Stadt- und Bezirksrat reagierte man nun auf eine öffentliche Resolution, in der die Entfernung der Statue sowie ihre Verlegung ins Sitka History Museum gefordert wurde. Künftig wird die Statue also in der Abteilung zur russisch-amerikanischen Geschichte stehen, zeitlich in Baranows Epoche eingeordnet. Wer jetzt also mehr über Baranow erfahren möchte, muss zu uns ins Museum kommen. Durch die Verlegung wird niemand mehr an einem prominenten Ort im öffentlichen Raum mit der Statue konfrontiert. 

Durch die Situation rund um die Statue entstehen Diskussionen über unsere Vergangenheit. Das ist gut so. Die Menschen bemühen sich jetzt darum, etwas über die Geschichte Baranows und der russisch-amerikanischen Bevölkerung hier zu erfahren. Uns gibt das die Gelegenheit, eine objektive Erzählung dieser Geschichte anzugehen.