„Niemand wusste, wohin die Reise geht“

Acht Autor*innen schreiben eine Erzählung und eine Zeichnerin begleitet sie. Die Berliner Illustratorin Elisabeth Moch im Gespräch

 

Frau Moch, Sie haben die literarische Reise um die Welt als Illustratorin begleitet. Wie war das für Sie? 

Ich kannte dieses Prinzip einer Kettengeschichte noch nicht, aber finde es richtig cool. Ich war live dabei, wie sich die Geschichte nach und nach entwickelt hat, und wusste genauso wenig wie die einzelnen Autorinnen und Autoren, was als Nächstes kommt. Das hat in diese komische Corona-Zeit gepasst, in der auch niemand wusste, wohin die Reise geht.

Hat sich Ihre Arbeitsweise durch die Corona-Krise verändert?

Ja, sehr. Ich habe zwei kleine Kinder, darum war vom ersten Tag des Lockdowns an alles anders. Ich konnte manchmal nur nachts arbeiten. Da musste eine kreative Lösung her. Wir haben uns mit einer anderen Familie zusammengetan und gemeinsam als Kommune auf Zeit zusammengelebt: vier selbstständig arbeitende Eltern, vier kleine Kinder, geteilte Kinderbetreuung und Coworking.

Viele Ihrer Bilder zeigen die Natur, während Menschen nur als bedrohliche dunkle Schemen dargestellt sind.

Ich selbst habe Naturfluchten in den vergangenen Wochen als heilsam erlebt. Einfach mal einen Baum angucken, das gibt Halt. Und auch die Protagonistin Elsa flüchtet sich in Zeiten der Unsicherheit in den Wald. Das ist ein starkes Motiv. Menschen wollte ich eigentlich nicht zeichnen, weil ich es immer spannender finde, die Gesichter der Protagonisten offen zu lassen. Aber im Kapitel von Tope Folarin über die Proteste wollte ich Menschen zeigen, nicht einzeln, sondern als wütende Masse.

Haben Sie eine Lieblingsillustration?

Ja, das Bild mit der Hütte: Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Wie sich das Haus vor der Protagonistin Elsa auftut, unheimlich, aber ihr eben auch sehr vertraut, das finde ich in der Geschichte und auch als Bild spannend.


Elisabeth Moch, 1982 in Bonn geboren, studierte Grafikdesign in Düsseldorf und arbeitete als Assistentin für Modeillustration in Schweden und New York. Seit 2010 lebt und arbeitet sie als freie Illustratorin in Berlin.

Das Interview führte Gundula Haage. 


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